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  GvHD und GvL - Folgen der Übertragung fremder Stammzellen (allogene Stammzelltransplantation)
 
 
GvHD: Eine Folge der Übertragung fremder Stammzellen
Wenn nach der Übertragung die fremden Stammzellen im Knochenmark des Patienten angewachsen sind, entstehen auch Zellen, die das Gewebe des Patienten als fremdes Gewebe erkennen und dem neu entstehenden Immunsystem signalisieren, dass genau dieses Gewebe zu bekämpfen ist.

Aus der klassischen Transplantationsmedizin ist das umgekehrte Phänomen bekannt: Wenn ein Patient ein fremdes Herz erhält, kommt es zu Abstoßungsreaktionen, weil ein Teil der für die Immunabwehr zuständigen weißen Blutkörperchen das Herz als fremd erkennt und es zur Bekämpfung frei gibt. Der "Wirt" (engl. host), sprich der Empfänger-Organismus, wendet sich gegen das transplantierte Organ oder Gewebe (engl. graft). Als Host versus Graft Reaction ist dieses Phänomen unter Medizinern bekannt.

Host versus Graft Disease

Host versus Graft Disease - HvGD
(Wirt-gegen-Transplantat-Reaktion)


Bei der Stammzellübertragung entstehen körperfremde weiße Blutkörperchen, die den gesamten Organismus als fremd erkennen und als erstes Haut-, Leber- und Darmgewebe bekämpfen. Nicht der Körper richtet sich gegen ein transplantiertes fremdes Organ, sondern das "Organ" (die Stammzellen) richten sich bei der allogenen Transplantation gegen den Körper. Mediziner nennen diese Phänomen daher auch Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion oder englisch Graft versus Host Disease, abgekürzt GvHD.

Graft versus Host Disease

Graft versus Host Disease - GvHD
(Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion)

 

Die GvHD tritt in mehr oder minder starkem Ausmaß bei der Mehrheit der behandelten Patienten auf, selbst wenn die HLA-Typisierung eine große Übereinstimmung zwischen Patient und Spender ergeben hat. Die HLA-Typisierung ist ein Verfahren, mit dem überprüft wird, inwieweit sich bestimmte Gewebemerkmale, die auf den Zellen fast aller Gewebe vorkommen, bei Spender und Empfänger ähneln. Selbst kleine Unterschiede in diesen Merkmalen können Auslöser einer Unverträglichkeitsreaktion, also GvHD sein. Nur wenn Spender und Empfänger eineiige Zwillinge sind, kommt eine GvHD mit Sicherheit nicht vor.

Zu jeder allogenen Stammzelltransplantation gehört eine vorbeugende Behandlung (Prophylaxe) gegen die GvHD dazu. Dadurch wird das Auftreten der Krankheit zwar nicht verhindert, sie verläuft aber weniger schwer.

GvL: Ein erwünschter Effekt der Übertragung fremder Stammzellen
Wenn Zellen des Fremdspenders die Körperzellen des Patienten angreifen, wie das bei der GvHD der Fall ist, muss das nicht nur von Nachteil sein; denn letztlich richten sich die Spenderzellen dann auch gegen Leukämie- oder Tumorzellen, die noch im Körper des Patienten verblieben sind. Dieser wünschenswerte Effekt wird von Medizinern nicht GvHD, sondern Graft versus Leukemia oder kurz GvL genannt.

Die GvL ist wesentlich dafür verantwortlich, dass das Wiederauftreten der Krankheit nach Übertragung fremder Stammzellen seltener vorkommt als nach der Übertragung eigener Stammzellen. Vielerorts wird derzeit versucht, die GvL-Reaktion besser steuerbar zu machen und den Effekt für die Behandlung gezielt auszunutzen. Eine Strategie besteht darin, längere Zeit nach der allogenen Stammzellübertragung Lymphozyten des Stammzellspenders zu transfundieren. Auch diese Lymphozyten können sich wieder gegen das Gewebe des Patienten richten und damit eine GvHD auslösen. Allerdings verläuft sie meist milder und ist besser zu kontrollieren als eine GvHD, die direkt nach der Stammzellgabe entsteht.

Die GvL-Reaktion ist im übrigen die wesentliche Grundlage für neue Transplantationsverfahren, bei denen die Konditionierung mit reduzierter Intensität durchgeführt wird. Die Hochdosis-Chemo- oder Strahlentherapien sind im Vergleich zur herkömmlichen allogenen Stammzelltransplantation niedriger dosierbar, weil etwaige Reste von Tumor- oder Leukämiezellen durch die GvL-Reaktion vernichtet werden können. Mediziner nennen diese neuen Verfahren häufig Mini-Transplantationen oder auch kurz Mini-Allo.

 

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